Kleines Nachtpfauenauge

Als Förster ist man aufmerksam unterwegs, daher kann man in seinem Revier so manche Art zu sehen bekommen, die eher selten gesichtet wird. Dazu gehört auch das Kleine Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia).

Kleines Nachtpfauenauge (Saturnia paonia) Fund 4.5.2022rz

Warum ist das so?

Weil das Kleine Nachtpfauenauge – wobei klein eher untertrieben ist bei einer Flügelspannweite von 6-9 cm – nur eine sehr kurze Schwarmzeit von etwa einer Woche hat. Diese liegt je je nach Witterung und Region in der Zeit von Mitte März bis Anfang Juni.

In dieser Zeit ist das tagaktive Männchen auf der Suche nach einem Weibchen. Dieses sitzt gut versteckt in der niederen Vegetation und verströmt Pheromone (Sexuallockstoffe), welche das Männchen mit seinen fächerartigen Fühlern aus großer Entfernung wahrnehmen kann und so das nachtaktive Weibchen findet. Auch die Eier werden in der Dunkelheit angelegt. Die Gelege bestehen meist aus über 100 Eiern.

Das Weibchen ist etwas unscheinbarer mit einem eher weißlich grauen Grundton, sonst aber genau so gezeichnet. Beide tragen die auffälligen „Augen“ auf den Flügeln, um Fressfeinde abzuschrecken. Vögel nehmen es nur ungern mit einem Tier auf, welches sie mit großen Augen anstarrt und suchen sich eine andere Nahrung.

Eiablage des Kleinen Nachtpfauenauges1

Während die Schmetterlinge keine Fresswerkzeuge besitzen, daher nicht an Blüten Nektar saugen können, was für die kurze Lebensspanne auch nicht notwendig ist, benötigen die Raupen eine offene, naturnahe Landschaft aus Magerrasen, Streuobstwiesen, sonnigwarmen Waldrändern und lichten Wäldern, dii mit Heidekraut, Besenheide, aber auch Brombeeren, Schlehen und Birke bewachsen sind. Ebenso findet man sie bei uns auf den Feuchtwiesen der Moore.

Da diese Standorte durch Zersiedlung immer weniger werden, ist der Bestand zurück gegangen, in Brandenburg stehen sie auf der Roten Liste Kategorie 3 und sind nach dem Bundesartenschutzgesetz (BArtSchV) geschützt. Daher hat der NABU sie zum Schmetterling des Jahres 2012 ausgerufen.

mehrere Raupen des Kleinen Nachtpfauenauges (Saturnia pavonia), wahrscheinlich auf Schlehdorn (Prunus spinosa)2

Zunächst sind die kleinen Raupen schwarz, tragen Büschel, um Freßfeinde abzuschrecken und einen Streifen an der Seite. Sie sind sehr gesellig und erscheinen massenhaft auf der Futterpflanze in sogenannten Raupennestern.

Mit dem zunehmenden Wachstum verändert sich ihr Äußeres. Sie werden zunehmend grüner, bekommen schwarze Punkte und gehen auf der Suche nach Nahrung ihren eigenen Weg.

ältere Raupe des Kleinen Nachtpfauenauges3

Sobald im Spätsommer die Zeit gekommen ist, werden die Raupen ein Gespinst bilden und sich verpuppen.

Gespinst des Kleinen Nachtpfauenauges4

Der Schmetterling kann im nächsten Frühjahr den Kokon verlassen, aber das ist nicht immer der Fall, wenn das Jahr klimatisch ungünstig ist, verbleibt er im Kokon und schlüpft erst im Jahr darauf.

Geöffneter Kokon mit Puppenhülle und letzter Raupenhaut des Kleinen Nachtpfauenauges5

Wenn die günstige Schwarmzeit einsetzt, öffnet der fertige Falter den Kokon mit einer Art Sporn, dieser durchsticht die Hülle, dann kann der Falter hinaus klettern, die Adern der Flügel aufpumpen, die nun ihre vollständige Größe entfalten und dem Falter erlauben, nach dem Trocknen davon zu fliegen. So beginnt der Zyklus des Lebens von neuem und mit etwas Glück entdeckt man den Falter wieder im Revier.

Kleines Nachtpfauenauge (Saturnia paonia) Fund 4.5.2022rz

Wer eine Sichtung von Schmetterlingen melden möchte, kann das hier tun.

Das Schmetterlingsportal von Berlin Brandenburg ist hier


rzeigene Aufnahme M. Rzadkowski

1 Eggs from butterfly moth SATURNIA PAVONIA (french:Petit paon de nuit) photographed in breeding cage. Picture N°1 / 11.
jean-pierre Hamon – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, Erstellt: 1. Januar 1991

2Haßloch (Pfalz), Germany – mehrere Raupen des Kleinen Nachtpfauenauges (Saturnia pavonia), wahrscheinlich auf Schlehdorn (Prunus spinosa)
Georg Slickers, selbst fotografiert 2006-05-28, CC BY 3.0,2.5, 2.0,1.0, GNU 1.2

3Kleines Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia)
Kristian Peters — Fabelfroh 06:28, 10 July 2007 (UTC) – photographed by Kristian Peters, CC BY-SA 3.0, Erstellt: created 14.06.2007, Quaßliner Moor

4Je suis l’auteur de ce cliché (phototèque personnelle) réalisé en Basse-Normandie France, en 1992 en cage d’élevage permettant le suivi du cycle biologique sur plusieurs années. – Cliché N°5 / 11. Cliché origine diapositive numérisée. La chenille de Saturnia Pavonia tissant son cocon de l’intérieur pour engager la métamorphose. (Petit Paon de nuit) Lépidoptère Hétérocère famille des saturniidae. CC BY-SA 2.5, Erstellt: 1. Januar 1992

5Geöffneter Kokon mit Puppenhülle und letzter Raupenhaut des Kleinen Nachtpfauenauges (Saturnia pavonia)
Harald Süpfle – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Erstellt: 24. Juni 2012